Ratgeber
UG gründen: Mit 1 € starten und was du dabei wissen musst
Fachlich geprüft am 14.10.2026 · Redaktion GmbH-Stammkapital.de · Werte gegen Gesetzestext und amtliche Gebührentabellen abgeglichen

Die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt), kurz UG, wurde 2008 eingeführt, damit Gründer auch ohne 25.000 € eine haftungsbeschränkte Gesellschaft gründen können. Sie ist schnell gegründet und günstig, aber kein Freifahrtschein. Dieser Ratgeber erklärt, was eine UG rechtlich ist, was die Gründung tatsächlich kostet, welche Sonderregeln gelten und wie viel Stammkapital in der Praxis sinnvoll ist.
Was die UG rechtlich ist
Die UG ist keine eigene Rechtsform, sondern eine GmbH mit einem Stammkapital von weniger als 25.000 € (§ 5a Abs. 1 GmbHG). Für sie gilt das gesamte GmbH-Gesetz, ergänzt um einige Sonderregeln. Sie haftet wie jede GmbH nur mit ihrem Gesellschaftsvermögen, ist Kaufmann kraft Rechtsform, muss bilanzieren und ihren Jahresabschluss offenlegen.
In der Firma muss die Bezeichnung Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) oder UG (haftungsbeschränkt) stehen, der Zusatz haftungsbeschränkt darf nicht abgekürzt werden. Wer im Geschäftsverkehr nur UG oder GmbH schreibt, riskiert eine persönliche Haftung, weil der Rechtsschein einer anderen Gesellschaft entsteht.
Die Gründung Schritt für Schritt
Die Gründung läuft wie bei der GmbH: notarielle Beurkundung des Gesellschaftsvertrags, Kontoeröffnung, Einzahlung, Handelsregisteranmeldung, Eintragung. Bei bis zu drei Gesellschaftern und einem Geschäftsführer kann das Musterprotokoll verwendet werden (§ 2 Abs. 1a GmbHG). Seit August 2022 ist auch eine Online-Gründung per Video möglich.
Anders als bei der GmbH muss das Stammkapital vor der Anmeldung in voller Höhe eingezahlt sein (§ 5a Abs. 2 Satz 1 GmbHG). Sacheinlagen sind ausgeschlossen (§ 5a Abs. 2 Satz 2). Wer einen Laptop oder ein Fahrzeug einbringen möchte, muss ihn der UG nach der Gründung verkaufen oder vermieten.
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Was die Gründung kostet
Mit Musterprotokoll und einem Gründer rechnet der Notar mit dem tatsächlichen Stammkapital als Geschäftswert, weil der Mindestwert von 30.000 € nicht gilt (§ 105 Abs. 6, § 107 Abs. 1 Satz 2 GNotKG). Bei kleinem Kapital greifen dann die Mindestgebühren: 60 € für die Beurkundung (KV 21200), 30 € für die Anmeldung (KV 24102), 15 € für die XML-Daten. Mit Auslagen und Umsatzsteuer liegt der Notar bei rund 150 €.
Das Registergericht berechnet unabhängig vom Kapital 225 € für die Eintragung und 75 € für die Bereitstellung zum Abruf. Zusammen kostet eine Ein-Personen-UG mit Musterprotokoll also rund 450 €, dazu jährlich 19,80 € für das Transparenzregister. Mit individueller Satzung steigen die Notarkosten deutlich, weil dann der Mindestgeschäftswert von 30.000 € gilt.
Die Rücklagepflicht
Als Ausgleich für das niedrige Startkapital muss die UG jedes Jahr ein Viertel ihres Jahresüberschusses in eine gesetzliche Rücklage einstellen, gemindert um einen Verlustvortrag aus dem Vorjahr (§ 5a Abs. 3 GmbHG). Diesen Teil dürfen die Gesellschafter nicht ausschütten. Die Rücklage darf nur für eine Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln oder zum Ausgleich von Verlusten verwendet werden.
Die Pflicht endet erst, wenn das Stammkapital durch eine Kapitalerhöhung 25.000 € erreicht. Bei 20.000 € Gewinn vor Steuern und 400 % Hebesatz bleiben rund 14.000 € Jahresüberschuss, davon fließen 3.500 € in die Rücklage. Bis 24.000 € angespart sind, vergehen in diesem Beispiel sieben Jahre. Unser UG-Rücklagen-Rechner zeigt den Verlauf für deine Zahlen.
Warum 1 € fast immer zu wenig ist
Rechtlich ist eine UG mit 1 € Stammkapital möglich, wirtschaftlich ist sie riskant. Schon die Gründungskosten übersteigen das Kapital, und die Gesellschaft ist vom ersten Tag an bilanziell überschuldet, wenn sie die Kosten trägt. Das Musterprotokoll begrenzt die Übernahme der Gründungskosten deshalb auf den Betrag des Stammkapitals.
Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit verpflichten den Geschäftsführer, spätestens nach sechs beziehungsweise drei Wochen Insolvenz zu beantragen (§ 15a InsO). Bei drohender Zahlungsunfähigkeit muss er zudem sofort die Gesellschafterversammlung einberufen (§ 5a Abs. 4 GmbHG). Ein Stammkapital von einigen tausend Euro gibt Luft für Anlaufverluste und wirkt gegenüber Geschäftspartnern seriöser.
Steuern wie bei der GmbH
Steuerlich behandelt das Finanzamt die UG genau wie eine GmbH. Sie zahlt Körperschaftsteuer von 15 % bis 2027, danach sinkend bis 10 % ab 2032, darauf 5,5 % Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer ohne Freibetrag. Bei 400 % Hebesatz kommt sie auf knapp 30 % Steuerlast auf den Gewinn. Ausschüttungen an private Gesellschafter unterliegen der Abgeltungsteuer.
Der Geschäftsführer kann ein Gehalt beziehen, das den Gewinn der UG mindert. Es muss aber angemessen sein. Zu hohe Gehälter wertet das Finanzamt als verdeckte Gewinnausschüttung, die den Gewinn nicht mindert. Gerade bei kleinen UGs prüfen Betriebsprüfer das genau.
Für wen die UG passt
Die UG eignet sich für Gründer mit überschaubarem Kapitalbedarf und echten Haftungsrisiken, etwa Dienstleister, Online-Händler oder Agenturen. Sie ist auch eine beliebte Komplementärin für eine UG & Co. KG. Wer dagegen Bankkredite braucht, mit großen Geschäftspartnern verhandelt oder Investoren gewinnen will, stößt mit wenig Kapital schnell an Grenzen.
Ein Vorteil ist die Ausbaubarkeit: Die UG wächst ohne Neugründung zur GmbH heran, indem die Rücklage in Stammkapital umgewandelt oder neues Kapital eingezahlt wird. Die Firma darf den Zusatz UG (haftungsbeschränkt) danach behalten (§ 5a Abs. 5 GmbHG), die meisten wechseln aber zu GmbH.
Welches Stammkapital realistisch ist
Eine sinnvolle Faustregel: Das Stammkapital sollte mindestens die Gründungskosten und die Ausgaben der ersten drei Monate decken, bis Umsätze fließen. Für eine Beratungs-UG ohne große Investitionen können das 2.000 bis 5.000 € sein, für einen Online-Shop mit Warenlager deutlich mehr. Wer Waren auf Rechnung kaufen will, sollte bedenken, dass Lieferanten bei geringem Kapital Vorkasse verlangen.
Ein höheres Stammkapital hat bei der UG einen weiteren Vorteil: Der Weg zur GmbH wird kürzer. Bei 10.000 € Stammkapital müssen nur noch 15.000 € Rücklage angespart werden statt 24.999 €. Die Notarkosten bleiben mit Musterprotokoll trotzdem niedrig, weil sie stufenweise nach dem echten Kapital berechnet werden.
Checkliste für die UG-Gründung
Vor dem Notartermin klärst du Firma, Sitz, Unternehmensgegenstand, Stammkapital und Geschäftsführer und prüfst bei der IHK, ob der Firmenname zulässig und unterscheidbar ist. Entscheide, ob das Musterprotokoll reicht oder eine individuelle Satzung nötig ist. Wähle eine Bank, die Konten für Gesellschaften in Gründung eröffnet.
Nach dem Notartermin eröffnest du das Konto, zahlst das gesamte Stammkapital ein und gibst dem Notar Bescheid, damit er die Anmeldung einreicht. Nach der Eintragung folgen Gewerbeanmeldung, Fragebogen zur steuerlichen Erfassung beim Finanzamt, Meldung zum Transparenzregister und gegebenenfalls Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft. Ab dem ersten Geschäftsjahr gilt die Rücklagepflicht, und spätestens zwölf Monate nach dem ersten Abschlussstichtag muss der Jahresabschluss offengelegt werden.
Typische Fehler bei der UG
Häufig fehlt der vollständige Zusatz haftungsbeschränkt in Briefbogen, Impressum oder Rechnungen. Das Gesetz schreibt die Bezeichnung zwingend vor, und wer im Geschäftsverkehr nur als UG auftritt, riskiert, persönlich in Anspruch genommen zu werden. Ein zweiter Fehler ist das Vergessen der Rücklage im Jahresabschluss. Ohne sie ist der Gewinnverwendungsbeschluss angreifbar.
Drittens unterschätzen viele Gründer die laufenden Pflichten: Bilanz, Offenlegung beim Unternehmensregister, Körperschaftsteuer- und Gewerbesteuererklärung, Transparenzregister. Diese Pflichten sind dieselben wie bei der großen GmbH. Ein Budget für die Steuerberatung gehört deshalb zur Planung.
Häufige Fragen
Kann ich wirklich mit 1 € eine UG gründen?
Rechtlich ja (§ 5a Abs. 1 GmbHG). Wirtschaftlich ist das riskant, weil schon die Gründungskosten das Kapital übersteigen und Überschuldung droht.
Was kostet die Gründung einer UG?
Mit Musterprotokoll und einem Gründer rund 150 € Notar und 300 € Handelsregister, also etwa 450 €. Mit individueller Satzung deutlich mehr.
Muss eine UG Rücklagen bilden?
Ja, jedes Jahr ein Viertel des Jahresüberschusses abzüglich eines Verlustvortrags aus dem Vorjahr, bis das Stammkapital 25.000 € erreicht.
Darf ich in eine UG Sachen einbringen?
Nein, Sacheinlagen sind bei der UG ausgeschlossen (§ 5a Abs. 2 GmbHG). Das Stammkapital muss in Geld und vollständig eingezahlt werden.
Wie heißt die UG richtig?
Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) oder UG (haftungsbeschränkt). Der Zusatz haftungsbeschränkt darf nicht abgekürzt werden (§ 5a Abs. 1 GmbHG).
Kann ich als Arbeitnehmer nebenbei eine UG gründen?
Grundsätzlich ja, sofern der Arbeitsvertrag keine Nebentätigkeit verbietet und kein Wettbewerb entsteht. Es gelten dieselben Pflichten wie für jede GmbH.
Redaktion und Prüfung
Recherchiert und vor Veröffentlichung von Hand geprüft von der Redaktion GmbH-Stammkapital.de. Alle Beträge, Fristen und Gebühren haben wir mit dem Gesetzestext auf gesetze-im-internet.de abgeglichen (Stand 14.10.2026), Beispiele mit dem Rechenkern unserer Rechner nachgerechnet. Keine Rechts- oder Steuerberatung. Fehler gefunden? Schreib uns.